Wo willst Du hin?

Die beiden Fragen, die mir im Zusammenhang mit der Fotografie am häufigsten gestellt werden sind:

„Wo bekommst Du nur all die wunderschönen Frauen her?“
und
„Wo willst Du hin mit der Fotografie?“

Zu der ersten kann ich nur – wie die Fragesteller meist auch – schmunzeln. Zumal ich auch schon einige stattliche Männer vor meiner Linse hatte, die ich in diesem Moment nicht übersehen wissen möchte. Niemals würde ich natürlich verraten, dass ich mir Models in meinem kleinen Gärtchen heranzüchte. Eine unwiderstehliche Kreuzung aus Charme, Sympathie und Schönheit, die ich bei Bedarf vom Baum pflücke. Niemals. Also lächle ich einfach wissend …

Verena1
Die zweite Frage hat mich weitaus mehr beschäftigt. Anfangs hatte ich das Gefühl, ich müsste unbedingt eine klare Antwort geben können. Was ich nicht konnte und meist mit einem eher fragenden als antwortenden „Mal sehen.“ erwiderte. Weil dieses „Wo willst Du hin?“ aber immer wieder auftauchte und ebenso hartnäckig wie erwartungsvoll in meinem Kopf herumtanzte, habe ich versucht, mir gedanklich einige Szenarien durchzuspielen. Alles fühlte sich an wie in einem Film, der allerdings nichts mit mir zu tun hat. Ich verglich mich mit anderen Fotografen. Jonglierte mit Abenteuer, Vernunft, Überschätzung und Unterwertverkaufen. Ich war tatsächlich verwirrt. Wie Gift tröpfelte sich etwas in mein Fotografinnendasein. Muss ich erst irgendwo hin, dass es gut ist? Ist das alles Quatsch, was ich hier tue? Was soll das? Zielloses Geknipse?

Verena3
Während eines Shootings wurde mir klar, dass für mich persönlich die Frage nicht ist, wohin ich will. Sondern „Wo bin ich?“. Genau in diesem Moment war alles perfekt. Die Zweifel waren verschwunden. Mir war es völlig egal, was am nächsten Tag sein wird oder nächstes Jahr oder in 20 Jahren. Jetzt. Hier. Ein stiller und doch für mich entscheidender Glücksmoment.

Wenige Tage später wurde ich wieder gefragt: „Und? Wo willst Du denn mal hin mit Deiner Fotografie?“ Ich antwortete aus vollem Herzen: „Ich bin schon da.“

Verena2
Keine Angst – ich bin weit entfernt davon, mich für unfehlbar und fotografisch perfekt zu halten. Bei so ziemlich jedem Shooting stoße ich an meine Grenzen. Verzweifle oft genug, weil etwas nicht so klappt, wie ich es gern hätte. Bin voller Wissensdurst und Tatendrang. Aber ich genieße jeden Schritt.
Ich habe den großen Luxus, das zu tun, was ich aus tiefstem Herzen liebe: Menschen kennenzulernen und das, was ich in ihnen sehe in Fotos zu bannen. In den letzten Jahren bin ich so wundervollen Menschen begegnet. Ich bin ehrlich dankbar für ihr Vertrauen, ein Stück ihrer Seele zu enthüllen. Ich habe mit talentierten MakeUpArtisten und Visagisten gearbeitet. Habe erleben dürfen, wie aus vielen Ideen ein gemeinsames Projekt erwächst. Habe mich mit großartigen Kollegen ausgetauscht, hatte die Ehre, von ihnen lernen dürfen. Ich bin so froh und dankbar für die liebevolle Unterstützung meiner Freunde und meiner Familie, die oft genug wegen meines vollgestopften Terminkalenders zurückstehen müssen und mir doch immer wieder den Rücken stärken.

Ich vermute, das ist so ein „Der-Weg-ist-das-Ziel-Ding“.

Und es fühlt sich richtig an.

Verena4
P.S.: Und wer bis hierhin durchgehalten hat, den Text zu lesen, der kann auch gern meine Antwort zu Frage 1 haben: Ich halte einfach Auge und Herz weit auf. Um mich herum ist so viel Schönheit – das schaffe ich gar nicht alles wegzufotografieren 🙂

Verena5

 

Tausend Dank an

Model: Verena

© Juliane Naumann Photography

Where do you want to go?

The two questions concerning photography I have been asked most frequently are:
„Where do you find all these beautiful women?“
and
„Where do you want to got with your photography?“

The first question makes me smile – just as the questioner does mostly as well. I already had some handsome guys in front of my camera that I don’t want to be overlooked. Of course I’d never tell them my secret that I let models grow in my little garden. An irresistible crossbreeding of charm, liking an beauty that I pick up from the tree when needed. Never! So I smile knowing …

The second question occupied me far more than the first one. At the beginning I felt like I have to give a clear answer. Because I couldn’t find one I mostly answered with a more questioning than replying „We’ll see.“ Because this „Where do you want to go?“ appeared again and again and started dancing as persistently as expectantly in my head I tried to figure out different scenarios. Everything felt like a film i’m not a part of. I compared myself to other photographers. Juggled with adventure and reason, overestimation and selling myself below value. I was really confused. Something poisoned my photographical existence. Do I have to move on before it’s good what I’m doing? Is it nonsense what I’m doing? What’s the point? Aimless snapping?
During a shooting i realized that my personal question isn’t „Where do you want to go?“ but „Where are you?“. In this very moment everything was just perfect. The doubts disappeared. I didn’t care what would happen the next day or next year or in 20 years. Now. Here. For me a silent but decisive moment of luck.

A few day late somebody asked me again: „Well, where do you want to go with your photography one day?“ And I answered from my deepest heart: „I’m already there.“

No panic – I’m far away from declaring myself to be infallible and photographically perfect. With almost every shoot I reach my limits. Often I’m despaired because something doesn’t work out as I want it to. I’m thirsty for knowledge, full of zest for action. And I enjoy every step I make.
I enjoy the great luxury of doing what I love from the bottom of my heart: getting to know people and keeping a part of what I find inside of them on a picture. Within the last years I met so amazing beings. I’m honestly thankful for their confidence to reveal a piece of their souls for me. I worked together with talented make up artists. I experienced how a joint project grew up from many different ideas. I exchanged experiences with great collegues and had the honor to learn so much from them. I’m so glad and thankful for the loving support of my friends and family who have to be so comprehensive because of my full schedule. And even though they always encourage me.

I assume this is a kind of „The-route-is-the-goal-thing“.

And it feels right.

p.s.: And for those who hung on until the end of this lines – here is my answer to question 1: I keep my eyes and my heart wide open. There is so much beauty around me that I cant‘ manage taking pictures of everything 🙂

 

Thanks a million to

model: Verena

© Juliane Naumann Photography

Advertisements

6 comments on “Wo willst Du hin?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s